Die Rote Wand

Die Rote Wand

Ach, ich bin hier geteilter Meinung. Das Thema ist superinteressant, so richtig überzeugen konnte mich das Buch dann aber doch nicht.wp-1460044813560.jpgWie bereits in Neuer Stoff! #8 angekündigt, erreichte mich dieses Rezensionsexemplar vom Heine-Verlag (an dieser Stelle dankeschön!) vor ein paar Tagen und ich habe mich gleich dran gemacht, es zu lesen, weil es mich einfach so angelächelt hat.

Hier etwas zum Inhalt:

Wie eine Steinwand, die Gott als natürliche Grenze zwischen Nord- und Südeuropa in die Erde gerammt hat, ragen die Berge hinter Sexten in den Himmel. Hier verläuft 1915 die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Eine Front, die im Ersten Weltkrieg Schauplatz eines erbitterten Stellungskriegs wird. Gekämpft wird auf Felsvorsprüngen, Gipfeln, auf Skiern, mit Stichmessern, Karabinern und Handgranaten. Mann gegen Mann versuchen kleine Einheiten die Höhe zu sichern. In all diesen Scharmützeln hält sich in der roten Wand ein Mädchen auf, das seinem Vater in den Gebirgskrieg gefolgt ist. (Quelle :amazon.de)

Erstmal besticht schon das Cover mit dem schlichten, aber beeindruckenden Bergpanorama. Und auf den ersten Seiten fällt auf, dass der Autor die Hauptperson immer nur „das Mädchen“ nennt, man erfährt ihren Namen nicht. Was als schönes Stilmittel beginnt, endet irgendwann einfach nur nervtötend. Durch die relativ oberflächliche Beschreibung der Gefühle „des Mädchens“ kann man zu ihr keine Beziehung herstellen. Außerdem tauchen im Laufe des Buchs immer wieder Fachbegriffe aus dem Militärjargon auf, die ich als normaler Leser einfach nicht kenne. Ein Glossar wäre hilfreich gewesen oder eine in den Text eingeflochtene Erklärung, da ja auch „das Mädchen“ erst neu in diesen Krieg und die Armee hereinrutscht. Ich habe auch lange gerätselt, was k.u.k. bedeutet. Knapp 50 Seiten vor Schluss habe ich dann verstanden, dass es wahrscheinlich königlich und kaiserlich bedeutet, aber sicher bin ich mir da immer noch nicht.

Teilweise fehlte mir auch das Hintergrundwissen zum ersten Weltkrieg, was das Lesen unglaublich anstrengend machte.

Was mich jedoch am meisten störte, waren die schier endlosen Beschreibungen von Bergen und Felsspalten, die für mich beim Lesen nicht nachvollziehbar sind und langatmig wirken. Ich kenne die Berge nicht und kann mir ihre Anordnung, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen. Die Namen werden zwar von einem Jungen genannt und später erfährt man, dass „das Mädchen“ diese mittlerweile ganz gut kann, aber David Pfeifer macht so große Zeitsprünge, dass man als Leser keine Möglichkeit zum Verstehen und Erforschen mit dem Protagonisten hat. Erst kann sie etwas nicht, 10 Seiten später kann sie es. Für mich sehr anstrengend. Ein weiteres Beispiel für diese nervtötenden Beschreibungen ist das Begräbnis und die Trauerfeier für Kaiser Franz Joseph. Ganz ehrlich, was interessiert mich, wenn der Adelige von so und so und seine Frau und Cousine und wer-sonst-noch-alles dort hinkommen?

Doch der Roman hat mich auch beeindruckt, da es einige philosophische Szenen gibt, die David Pfeifer aber meiner Meinung nach nicht genug ausgebaut hat. Außerdem gibt es viele Vergleiche und Beschreibungen, was auch nicht unbedingt schlecht ist. Vielleicht ist das Buch wirklich nur etwas für Leute aus Tirol, die die Geschichten und Berge kennen und  mit der Lektüre ein Stück ihrer  Heimat erforschen.

Fazit

Ich kann also sagen, dass das Buch eine mittelschwere Enttäuschung war. Aus so einem spannenden Thema hätte man wirklich mehr machen können. Dennoch gab es auch viele interessante Passagen, die mir in Erinnerung bleiben werden. Achso, und die App fürs Smartphone ist sehr gut gelungen. Tolle Idee, so etwas noch zu erstellen. Zu meinem Verständnis des Buchs hat die leider doch nicht beigetragen.

Hier geht’s zu amazon.de (19,99€)

P.S.: Ein Fortschritt auf der Weltkarte (Südtirol) und außerdem noch 2€ für die Pringles-Dose!

 

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5 Gedanken zu „Die Rote Wand

  1. k. u. k. heißt tatsächlich „kaiserlich und königlich“ und bezieht sich auf die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Franz Joseph war Kaiser von Österreich und König von Ungarn *klugscheiß* 😉 Ich hab das Buch auch auf der Liste, deine Kritikpunkte lassen mich aber ein bisschen zweifeln. Schau ma mal. Dass die ständige Verwendung von „das Mädchen“ nervt, kann ich mir vorstellen.

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